Liebe Vorstandsmitglieder, liebe Lehrerinnen und Lehrer,

mit dem 32. Corona-Brief wurden wir als Eltern aufgefordert, unsere Stellungnahme zu den möglichen regelmäßigen Corona-Tests abzugeben. Wir schätzen es sehr, dass Ihnen unsere Meinung wichtig ist. Da wir die Angelegenheit für überaus wichtig halten, möchten wir uns ausführlich dazu Stellung nehmen.

Nach Abwägung von Vor- und Nachteilen der Teststrategie bei Schülerinnen und Schülern sind wir zum Schluss gekommen, dass wir diese ablehnen wollen. Folgende Überlegungen spielen dabei für uns eine wichtige Rolle.

Medizinische Überlegungen

Bei den Schnelltests handelt es sich um eine zwar im geringfügigen Maße aber dennoch invasive medizinische Untersuchung. Die Lehrkräfte, geschweige denn die Kinder selbst, sind in keinster Weise befähigt bzw. geschult, diese Untersuchung durchzuführen oder die Ergebnisse zu beurteilen. Bei Massenanwendung über längere Zeit hinweg wird es unweigerlich zu Problemen, Pannen und sehr viel Unmut seitens aller Beteiligten kommen. Auch die Fehleranfälligkeit der Tests selbst spricht gegen ihre massenhafte Verwendung.

Es könnten Verletzungen und/oder Infizierung bzw. Kontaminierung der mit dem Stäbchen traktierten Schleimhäute der Kinder entstehen, welche vielleicht sofort, vielleicht auch später zutage treten könnten. Im ersteren Fall, z.B. bei Blutungen, könnten die Lehrkräfte überfordert sein, da sie im Regelfall, wie gesagt, nicht für solche Prozeduren ausgebildet sind.

Die Tests verwenden chemische Substanzen, die Reizungen und/oder Allergien hervorrufen können, wenn sie auf die Haut, in die Augen oder auf die Schleimhäute der Kinder gelangen. So warnt zum Beispiel der Beipackzettel zum Roche SARS-Cov-2 Antigen Test - den wir sehr zur Lektüre empfehlen möchten, - dass dieser „allergische Hautreaktionen“ und „schwere Augenreizungen verursachen kann“. Es wird dort empfohlen, „kontaminierte (!) Kleidung auszuziehen und vor erneutem Tragen zu waschen“. Ferner heißt es dort über die verwendete Flüssigkeit: „Enthält einen besonders besorgniserregenden Stoff (SVHC): Octyl- /Nonylphenolethoxylate. Nur zur Verwendung als Teil einer IVD-Methode und unter kontrollierten Bedingungen - gem. Art. 56.3 und 3.23 der REACH-Verordnung“. In seltenen aber durchaus vorstellbaren Fällen können diese Flüssigkeiten von Kindern mit unabsehbaren Folgen verschluckt werden. Wer kann garantieren, dass dies unbedenklich ist? Aus unserer langjährigen Erfahrung mit der Organisation von Sommer- und Winterfreizeiten wissen wir, dass wir als Leiter erkrankten Kindern nicht einmal eine Paracetamol-Tablette geben dürfen, obgleich dieses Mittel wohlbekannt und in jedem Haushalt vorhanden ist. Hier sollen die Kinder aber jede Woche zweimal von Nichtmedizinern medizinisch getestet werden.

Rechtliche Gründe

Die Tests in den Schulen unseres Bundeslandes sind im Moment noch freiwillig, obwohl von Seiten der Politik öffentlich über Testzwang für Kinder nachgedacht wird und in Ländern wie Österreich dies schon traurige Realität ist. Da es sich um invasive medizinische Testungen handelt, die unter erheblichem sozialem und Gruppendruck stattfinden, handelt es sich um einen Vorgang, der aus unserer Sicht die Grenzen des Grundgesetzes verletzt, insbesondere Art. 1 Abs. 1: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“. Ebenso werden unseres Erachtens die Grenzen der Landesverfassung Baden-Württembergs verletzt, wo es im Vorspruch heißt: „Im Bewusstsein der Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, die Freiheit und Würde des Menschen zu sichern... hat sich das Volk von Baden-Württemberg in feierlichem Bekenntnis zu den unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten. diese Verfassung gegeben“. Weiter heißt es im Art. 2a der Landesverfassung: „Kinder und Jugendliche haben als eigenständige Persönlichkeiten ein Recht auf Achtung ihrer Würde, auf gewaltfreie Erziehung und auf besonderen Schutz“. Die Verfassung ist naturgemäß sehr allgemein gehalten und bedarf selbstverständlich der Deutung, um in diesem konkreten Fall Anwendung zu finden. Dennoch erscheint uns die geplante Vorgehensweise, die unter Druck oder gar Zwang geschehen wird, als übergriffig und mit der Würde und Achtung der Person des Kindes nicht vereinbar.

Eltern werden aufgefordert, eine Einverständniserklärung abzugeben. Dennoch stellt sich die Frage, wer und in welcher Weise für die möglichen Schäden aufkommen soll. Nach unserem Verständnis haften unmittelbar die Lehrerinnen und Lehrer, sowie evtl. ihnen dabei helfende Eltern, die quasi als paramedizinische Kräfte die Testungen anordnen und durchführen bzw. beaufsichtigen. Selbst wenn die Lehrkräfte nicht formell unterschreiben, dass sie die Haftung übernehmen, was durchaus sinnvoll wäre, werden sie ggf. haftbar gemacht. Dies möchten wir unseren Lehrerinnen und Lehrern in keiner Weise aufbürden.

Anthropologisch-pädagogische Gründe

Durch die Massentestungen, den damit verbundenen Ängsten, Erwartungen und Konsequenzen, wird die Schule unseres Erachtens von Ort der Menschenachtung und Förderung der persönlichen Entwicklung, wo das Kind im Zentrum steht, zum Ort, an dem ein gewisser Hygienetotalitarismus in die Mitte gerückt wird, bei dem alles andere - Bildung, Menschlichkeit, gemeinsames Wachsen an- und miteinander - einer technisierten und quasi objektivierten Testrealität untergeordnet wird. Das Kind - und der Lehrer - mutieren
gleichsam von Person zum Objekt von Prozeduren und ihren Ergebnissen, die ihr Leben bestimmen. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht dann nicht mehr der Mensch, sondern - der TEST.

Eine Vorgehensweise, bei der Kinder - die ohnehin mittlerweile traumatisiert sind - als potenzielle Gefährder definiert und ggf. abgesondert werden, würde nicht zu ihrer Erziehung zu mündigen und eigenverantwortlichen Personen beitragen. Das Vertrauen, das die Kinder ihren Lehrerinnen und Lehrern entgegenbringen und das zwischen diesen Menschen entsteht, würde in vielen Fällen der Angst auf der einen und dem Zwang auf der anderen Seite weichen, vor allem in den Fällen, in denen die Eltern zwar ihr Einverständnis gegeben haben, die Kinder aber des Testens nach einigen Malen überdrüssig geworden sind und diese ablehnen. Wir befürchten gravierende Folgen für die psychische und soziale Entwicklung unserer Kinder, wenn diese Art Akzentverschiebung, einmal eingeführt, auf längere Sicht aufrecht erhalten bleibt.

Gruppendynamische Gründe

Durch die allseitig induzierte Angst vor dem Virus, die gerade bei Kindern stark ausgeprägt zu sein scheint, ist die Aussicht, als Testpositive vor der Klasse zu stehen, mit Angst und Scham belegt. Wie auch bei anderen medizinischen Sachverhalten, geht auch dieser anderen Menschen - Mitschülerinnen und Mitschüler, Lehrerinnen und Lehrer - aus guten Gründen nichts an. Für viele Kinder wäre es unseres Erachtens eine Zumutung und Verletzung ihrer Schamgrenzen, ihrer Intimsphäre, wenn sie vor der Klasse als Corona-Positive dastehen und „abgesondert“ werden müssten. Nicht wenige Eltern könnten sich dann fragen, was die Eltern des betroffenen Kindes falsch gemacht haben. Eine Atmosphäre der Verdächtigungen und Vorwürfen könnte dann Folge sein. Die medizinischen und Krankheitsdaten werden bei uns aus guten Gründen geschützt. Auch in diesem Fall sollten wir nicht leichtfertig damit umgehen.

Wir können uns vorstellen, dass die sog. Testverweigerer (schon diese Bezeichnung wirkt abschätzig und stigmatisierend) eine Minderheit bleiben wird. Von mehreren Seiten erreichen uns Nachrichten, dass diese Minderheit auf der Ebene der Politik, aber auch der Schul- und Klassengemeinschaft unter Konformitätsdruck gesetzt, ja gemobbt und mit einem Ausschluss aus dem Bildungssystem bedroht wird. Diese, gruppendynamisch sehr nachvollziehbare Vorgehensweise, wünschen wir uns als Eltern auf unserer Schule nicht.

Alles in allem betrachtet, möchten wir mit diesem Schreiben einen Beitrag dazu leisten, dass unsere Schule ein Ort der Menschlichkeit bleibt, wie wir sie all diese Jahre erlebt und mit größter Dankbarkeit geschätzt haben. Wir möchten es nicht zulassen, dass dem feinen System „Schule“ eine reale Schädigung zugefügt, indem einer potenziellen Gefahr auf eine unverhältnismäßige Weise vorzubeugen versucht wird.

Наши партнеры:
 
Кафедральный собор Святых Новомучеников г.Мюнхен
 
Радонеж